Die Individualisierung ist ein Kennzeichen unserer heutigen Gesellschaft. Individuell sein ist geradezu ein Muss. Nachahmung und die Erfüllung von Erwartungen sind out. Die Entwicklung einer originellen, unverwechselbaren, einzigartigen Identität ist in. Jeder soll sich selbst verwirklichen, sich entfalten, authentisch sein, einen persönlichen Stil kreieren. Sich suchen und finden. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wir sind abhängig vom Konsum und anderen Anregungen aus der Außenwelt, die für Anpassung sorgen. Medien beispielsweise liefern uns regelrechte „Kopiervorlagen“ für die Identitätsproduktion. Mit einst philosophischen Fragen wie „Wer bin ich? Wer soll ich sein? Wie soll ich sein?“ beschäftigen sich heute Magazine und Ratgeber. Jeder möchte einem bestimmten „Typ“ angehören. Frisuren, Mode und Vorlieben gleichen sich. Communitys boomen – sie gleichen die Orientierungslosigkeit aus, in die uns die unerschöpflichen Möglichkeiten der Selbstentfaltung oft stürzen. Diese Kluft zwischen dem Selbst und der Maske ist schwer zu überbrücken. Die beiden stellen einen Widerspruch dar, den es zu vertuschen gilt. Deshalb inszenieren wir die Individualität. Dazu ist viel Heuchelei und Selbsttäuschung notwendig. Diesem Bluff möchte der Soziologe Manfred Prisching auf die Spur kommen. Das Buch ist ein Versuch zu verstehen, was im Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Konformismus geschieht, aber was wir vielleicht nicht immer in seinen großen Konturen sehen.